Adam Löffler | Offenbacher Stadtränder
Panorama Odenwaldring Waldstraße
Odenwaldring   Waldstraße
Offenbach-Bürgel Langstraße
Offenbach-Bürgel Langstraße

Offenbach, am Rand. An den Rändern fasert es aus, man kennt das von mürbe gewordenen Kleidungsstücken, und Fahnen, die lange geflattert haben: Die Kettfäden halten noch eine Weile die Richtung, der Schuss geht langsam verloren. Ja, da fing einmal der Wald an, und die Felder fransten noch in die Vorstädte. An den Rändern der Städte organisieren sich Disneyländer gebauter Gemeinheiten zum Wohle des Konsums. Stoßen zwei Städte aneinander, begraben sie ihr Niemandsland unter grenzfluchtenden Autobahnen und Industriegebieten, in denen Schmalhans unbehelligt Baumeister ist. Alle Las-Vegas-Lehrlinge dürfen hier mal ran an den Speck, während am Bürgeler Mainufer seit Ewigkeiten Zimmer auf Zimmer mit Aussicht zusammengeklebt werden. Stadtplanerische Maximen haben ihre Gültigkeit zugunsten des Geschäfts verloren, und wie beim gelegentlich absurden, gesetzlichen Denkmalschutz der alten Städte sind es die Investoren, die das Heft in der Hand haben, ob es um 3000 Parkplätze und passende Infrastruktur geht, oder um eine schicke Rekonstruktion von altem Dreck, die sogar Stadträte für die Bürger getrost abnicken können. Die Stadtränder von Offenbach machen keine Ausnahme, sind aber beklagenswerte Zufälligkeiten dieser Entwicklung. Sie schauen nach Norden über den trüben Main auf die Frankfurter Cassella-Chemie, nach Osten und Süden auf die Einflugschneise des Flughafens, während im Westen die Sonne hinter dem Gemüse Oberrads, dem Frankfurter Bankplatz und seinen Symbolen versinkt. Die höchsten Häuser in Offenbach sind Bauten der kommunalen Selbstverwaltung. Sie stehen da wie die Inkarnation der Sehnsucht nach Stadtgestalt, urbaner Vielfalt etc., und der fernen Aussicht auf Menschen, die Kultur 24 Stunden am Tag leben.            

A.L. 2011

Offenbach, am Rand. Als exilierter alter Eingeborener ist das verflixt schwer, mit dem coolen Blick durch die Linse. Egal wohin ich mein Bild auch betrachte, - kaum scheint mir irgendetwas besonders toll für mein Grabesthema, höre ich Stimmen - Hilfe!! - von irgendwoher durcheinander raunen: "...komm, heer doch uff, so en Krempel ze fodegrafiern, da duhsde doch niemand en Gefalle demit, - ei sachemaa, den Kerl kenne mer doch, is der net schon vor verzich Jahr emal in de Kerscheallee drauße erumgeschliche, unn hat dann die Leit mit ere Rebordaasch iwwer Obdachlose verrickt gemacht? ...Drecksack! Eulevoochel! Debei hat der garnet bei uns in Offebach geschafft, und hat sozesaache von weitem e paar beese Sätz iwwer uns falle lasse. Unn jetz - fängt der doch grad widder - Hier, nix da! Schlappekicker! Mach disch fort von unserm Rand, und zwar dalli - mir gewwe nix her. Da brauchsde garnet so dappisch ze gugge, du... Was? Gruppebild? E 'Bordree' willste von uns mache?? Aber hallo, da simmer abber ober-mega-hammermäßich ge-schmei-schelt, mein Liewer: Wie solle mern uns uffbaue? Als Lederstadt? Im Kickers-Tricko? Als Audofahrä? Prima. Dann grillemer abber, gell."
Danke. Mehr wollte ich ja garnicht.

A.L. 2011

Mühlheimer Straße
Mühlheimer   Straße

Adam Löffler

Adam Löffler
1944 geboren in Offenbach am Main
 

Berufspraxis als Modellschreiner, Architekt, Fotograf
und Designer, Journalist (db, baumeister)

1983–2010

Professor für Holzgestaltung an der
Kunsthochschule Mainz,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

zahlreiche Ankäufe, Gruppen- und
Einzelausstellungen im In- und Ausland

Homepage

www.adam-loeffler.de