11 | Gabriele Hoberg | Friedrich und Susette

Graffiti | S-Bahn-Treppenhäuschen | Frankfurter Berg

Treppenhaus "Friedrich"
Treppenhaus "Friedrich"
Treppenhaus "Friedrich"
Treppenhaus "Friedrich"
Treppenhaus "Susette"
Treppenhaus "Susette"
Treppenhaus "Susette"
Treppenhaus "Susette"

An der Nahtstelle von der Stadt auf das Land, mitten durch die historische Allee „Homburger Landstraße“, durchschneidet die S-Bahnlinie den Hölderlinpfad. Eine Unterführung und zwei Treppen ermöglichen es, von einer Seite auf die andere zu wechseln. Das „Pärchen“ der Treppenaufgänge wird den beiden Liebenden – Susette und Friedrich – gewidmet. Zur Stadt hin erhält Susette ihre Schreibwände, nach außen Friedrich. Auszüge aus Susettes Liebesbriefen und Hölderlins “Hyperion“ werden aufgemalt. Aus einer der hässlichsten, widersprüchlichsten Stellen entlang des Weges wird ein Ort der Erinnerung an die unerfüllte Liebe der beiden.
 Die heimliche Liebesbeziehung von Friedrich Hölderlin und der verheirateten Susette Gontard ging einher mit einem regen Briefwechsel.  Susettes Briefe blieben in Hölderlins Nachlass bewahrt, Friedrichs Briefe an seine Muse sind hingegen nicht erhalten. In Hölderlins Hauptwerk, dem Briefroman Hyperion findet sich allerdings mit „Diotima“ eine Figur, in der er Susette literarisch verewigt hat.
 Ganz im Sinne sonst unerwünschter Schmierereien und Liebesbotschaften, die in Bahnhofsbereichen an Wandflächen wie diesen regelmäßig auftauchen, werden die weiß getünchten Flächen der Treppenhäuschenwände zum Briefpapier für ein „Liebes-Graffiti“.
 Zudem steht der Bahnhof für einen Ort der Sehnsucht, findet hier doch täglich vielfach Begegnung und Abschied statt. Reizvoll ist auch der  Aspekt der oberirdisch einzeln wahrnehmbaren Häuschen, die nur unterirdisch versteckt miteinander verbunden sind – gleichsam ein Sinnbild der heimlichen, versteckt gelebten Liebesverbindung der beiden.

Gabriele Hoberg

Gabriele Hoberg
1969 geboren in Heidelberg
  Studium Innenarchitektur an der Fachhochschule Mainz
2000 Abschluss: Diplom-Ingenieur
seit 2005 Studium Lehramt Kunst und Deutsch an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Klasse für Umweltgestaltung der Akademie für Bildende Künste Mainz
Handschrift Susettes
Handschrift Susettes