1 | Martina Hils | Kartenblätter

Poster | DIN A3 | temporäre Installation entlang des Weges

Kartenblatt

An Zimmern

Die Linien des Lebens sind verschieden,
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.


Gez. Scardanelli (Friedrich Hölderlin)

Im Zentrum dieser Arbeit steht das Plakatieren und Verbreiten von Kartenblättern bzw. Kunstkarten im Raum zwischen Bad Homburg und Frankfurt am Main. Die Kunstkarten entstanden auf der Basis von geographischem Kartenmaterial, aber sie haben sich bereits weit entfernt von einer üblichen Straßenkarte. Insgesamt gibt es drei verschiedene Kartentypen, die die Grenzen zwischen Kunst und Geographie verwischen. Ein mehr oder weniger verwirrendes, verknotetes Straßennetz und eine rote Linie haben alle Karten gemeinsam. Das eher diffuse, verzerrte Straßennetz wurde auf mehreren Plakaten in der Nähe zu Bad Homburg verbreitet.
 Ein paar Straßennamen sind zu entziffern, eine rote Spur scheint zwischen einem großen Straßen- und Linienchaos aufzublitzen. Die Karte wirkt unruhig, verwirrend, wenig hilfreich. Auf dem Weg in Richtung Bonames wandeln sich die Plakate – ein ruhigeres Straßennetz ist zu erkennen bis es schließlich in Frankfurt ganz deutlich und klar erscheint. Eine Orientierung wird möglich und der Hinweis auf den Wanderpfad deutlicher.

Hierzu muss man wissen, dass Friedrich Hölderlin von Homburg nach Frankfurt gewandert ist, um sich einmal im Monat mit seiner Geliebten, Susette Gontard, zu treffen. Der sonst so innerlich zerrissene Dichter fand dort Erbauung und Trost, wenn auch nicht lange.
 Durch diese grafische Darstellung sollen die Karten Bezüge zur Thematik des Wanderns, seiner unglücklichen Liebe zu Susette und seiner entstehenden geistigen Verwirrung hergestellt werden.

Neben den inhaltlichen Bezügen zur Biographie Hölderlins über den Raum, gibt es auch in formaler Hinsicht wichtige Aspekte. Die Kartenblätter wirken wie Botschaften oder Hinweisschilder. Es ist wohl die Arbeit eines Dichters, seine Gedanken in Worte zu fassen und sie zu verbreiten. So habe ich versucht die Thematik in Bilder zu übersetzen und sie zu verbreiten. Dem Raum wird somit eine visuelle Botschaft aufgedrängt.
 Durch die entsprechende Quantität und die dadurch erzielte Präsenz erhalten die Blätter eine Signalwirkung, wenn auch nur von kurzer Dauer. Gerade durch die bewusste Auswahl von leichtem Papier als Material wird die Arbeit temporär, wandelt sich, verschwindet und wird irgendwann vergessen. Dahinter steht ein destruktiver Prozess, der aus meiner Sicht sehr gut zu manchem Charakterzug des Dichters passt.

Martina Hils

Martina Hils
1987 geboren in Worms
seit 2006 Studium der Bildenden Kunst und Geographie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
seit WS 07/08 Klasse Umweltgestaltung bei Prof. Lieser, Akademie für Bildende Künste Mainz
Dokumentation Kartenblätter
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